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Die Arbeit mit Konzepten

Ein Konzept wird entweder

  1. als Ansicht über die Realität wie sie ist gesehen (eine Schlussfolgerung über die Realität)
  2. oder auch als eine willkürlich angenommene Handlungsrichtlinie, die einfach nur gut funktionieren muss.

Stellen wir zunächst einmal fest, dass ersteres im Allgemeinen eine Illusion darstellt und auch in diesen Fällen eine willkürlich angenommene Handlungsrichtlinie vorliegt. Dann müssen wir uns im Folgenden nicht mehr mit beiden Fällen herumschlagen.

Konzepte sind wie Modelle (beides ist sowieso nicht einhundertprozentig zu trennen) nicht die Realität selbst und stimmen niemals exakt mit ihr überein. Aber sie können für ein begrenztes Gebiet funktionieren und nützlich sein.

Für Softwareentwicklung ist entscheidend, wie man damit umgeht:

Diese Fragen sind natürlich rhetorischer Natur: Das überzogene Festhalten an Konzepten schafft einen Haufen Probleme. Aber es übt einen gewissen Reiz aus, in "sauberen Systemen und Lösungen" zu denken, in denen bestimmte Konzepte rigoros durchgezogen wurden.

Dieser Reiz entstammt – man ahnt es schon – dem sich isoliert wähnenden rational-bewussten Geist, wenn er noch nicht begriffen hat, dass mit dem schöpferischen Unterbewusstsein der perfekte Chaos-Spezialist mitarbeitet, mit dem an der Seite man Konzepte genauso leicht ziehen lassen kann, wie man sie eingefangen hat.

Insbesondere in den Schlussphasen einer Entwicklung ergibt sich der Konflikt, dass ein exaktes Anpassen der Lösung an die Anforderungen aus der Praxis ein Aufgeben nahezu aller Konzepte auf breiter Front erfordert. Das Projekt ist kurz vor Schluss und das reinste Chaos bricht aus (konzeptionell gesehen – in anderer Hinsicht zwar meistens auch, aber das ist hier nicht das Thema).

Das muss nicht beunruhigen, denn es setzt gleichzeitig ein Konzept-Neubildungsprozess ein, der mit neuen und besseren Konzepten dieses Chaos strukturiert. Und der ganze Prozess beginnt wieder von vorn.

Wichtig ist auf jeden Fall, zu diesem Gehenlassen von Konzepten fähig zu sein. Andernfalls wird die lebendige Weiterentwicklung eines Systems blockiert.

Der eben beschriebene Prozess bezieht sich auf die Arbeit mit gut funktionierenden Konzepten. Viele Projekte starten aber mit Konzepten, die von vornherein schon im Konflikt mit der lebendigen Entwicklung (dem sich eigendynamisch entfaltenden Schöpfungsprozess) stehen. Das ist im Grunde solange kein Problem, wie eine grund-sätzliche Bereitschaft besteht, in den Konzepten immer wieder nachzugeben und neue, besser funktionierende anzunehmen.

nächstes Kapitel: Fehlerzweige und Fehlerhandling