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Objekt Orientierung

Objekt Orientierung stellt den Gipfel einer Fehlentwicklung dar, welche die Informatik als Ganzes in ihrer Weiterentwicklung blockiert und die früher oder später ausgeräumt werden muss.

Objekt Orientierung schränkt die strukturelle Freiheit des Lösungsraums auf eine drastische Weise ein. Es werden für Lösungen nur noch Strukturen einer ganz bestimmten Art zugelassen.

Mit welchem Recht?

Wer will den Beweis führen, dass gerade diese Art von Lösungsstrukturen wirklich die Bessere ist?

Hinter dieser Einschränkung steht die Angst vor kreativer Freiheit – einer Freiheit, die man sich selbst nicht zutraut. Diese Art des Vorgehens ist eine Beleidigung für den menschlichen Geist mit seinen unendlichen Möglichkeiten und gleichzeitig eine krasse Art von Bevormundung von Softwareentwicklern durch die Schöpfer solcher Methoden. Das erinnert mich sehr an meine Kindheit in der DDR, als auch nur bestimmte Arten des Denkens zugelassen waren.

Objekt Orientierung ist ungefähr so, als würde man einem Maler sagen, „Du darfst in deinen Bildern nur noch Kreise als Grundelemente verwenden. Striche, Quadrate, Rechtecke oder Kleckse sind verboten.“ Damit malt der Maler vielleicht zwei oder drei nette Bildchen, aber dann fängt es an, ihn anzuöden.

Warum bemerken Softwareentwickler nicht, welcher Möglichkeiten sie sich durch Objekt Orientierung berauben?

Weil sie ihren Job nicht als kreatives, schöpferisches Werk sehen, sondern als Produktionsprozess, der immer mehr reglementiert und automatisiert werden muss.

Wie weit muss diese Entwicklung eigentlich noch gehen, damit eine signifikante Anzahl von Softwareentwicklern merkt, welche Umwege da gegangen werden?

Für mich ist es ein absolutes Rätsel, warum nicht mehr Entwickler innerlich spüren können, welchen unsäglichen Zwang sie ihrem Geist antun, wenn sie auf diese Weise entwickeln.

Für einfache Gemüter wie mich wäre es auch äußerst hilfreich, zu einer einfacheren Namensgebung zurückzukehren und die Dinge wieder ganz einfach so zu benennen wie sie sind: Datei, Datenbanktabelle usw. Denn schon bevor Objekt Orientierung begann, das vollends auf die Spitze zu treiben, hatte mit Begriffen wie "Modul" eine Entwicklung eingesetzt, bei der ich nie ganz sicher war: Was steckt nun eigentlich genau dahinter? Bei einer Datei weiß ich: Kann ich aufmachen und Programmzeilen drin finden. Ein Programm wird – wenns groß ist – auf mehrere Dateien aufgeteilt. Und dann gibt es eben noch eine Datenbank mit Datenbanktabellen. Viel mehr Begriffe brauche ich nicht und kann ich mir auch nicht merken. Na gut, vielleicht noch Funktion, Variable und Datentyp. Aber dann muss Schluss sein!

Die allgemeine Ansicht, Software sei etwas Kompliziertes führt dazu, dass man nicht merkt, dass erst die Objekt-Orientierung die Kompliziertheit erzeugt.

Es ist natürlich keine böse Absicht hinter Objekt Orientierung. Sie ist die logische Reaktion einer isolierten Ratio auf totale Überforderung angesichts einer Aufgabe, die eben nur in Zusammenarbeit mit dem schöpferischen Unterbewusstsein vernünftig gelöst werden kann. Und sie ist das Produkt von Theoretikern, die glauben, anderen Methoden entwickeln zu können, ohne dabei den Druck zu erfahren, laufende Anwendungen zack zack liefern zu müssen. Jene Anderen sind aber auch selbst schuld, weil sie ihre eigene Kompetenz in Softwareengineering, die sich aus Praxis völlig selbstverständlich ergibt, leichtfertig abgetreten haben.